Dienstag, 14. Juni 2005

BOOKER PRICE 2004



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Die Vergabe des mit ₤15.000 dotierten Booker Preises bezieht sich zwar nur auf Neuerscheinungen aus dem Commonwealth oder aus Irland, ist jedoch in Europa eines der wichtigsten literarischen Ereignisse eines jeden Jahres. Der aktuelle Preisträger heißt Alan Hollinghurst; die Vergabe war insofern ein Ereignis, da zum ersten Mal ein Roman mit homosexueller Thematik bedacht wurde. The Line of Beauty, so der Titel, ist jedoch noch nicht auf Deutsch erhältlich.

The Line of Beauty spielt im London der achtziger Jahre. Die Themen liegen auf der Hand; es geht um die Ära Margaret Thatchers, auch Eiserne Lady genannt, um die regierende konservative Partei der Torys und nicht zuletzt um AIDS, der Krankheit, die in den Achtzigern zum ersten Mal von sich reden machte.

Nick Guest, der Protagonist des Romans, ist ein Junge aus bescheidenen Verhältnissen, der sich mittels eines Stipendiums Zutritt zur Eliteuniversität Oxford verschaffen kann. Dort freundet er sich mit Toby Fedden an, dessen Familie ihm nach Beendigung seines Studiums das Dachzimmer ihres Hauses zur Verfügung stellt. Gerald Fedden, das Familienoberhaupt, ist ein aufstrebender und ehrgeiziger MP, natürlich konservativ, seine Frau Rachel stammt aus wohlhabenden Verhältnissen. Nick öffnet sich die Tür zur englischen Aristokratie, auch wenn ihm ganz beiläufig immer wieder klar gemacht wird, dass er nur ein Gast ist, der den Feddens gegenüber zwar eine Funktion erfüllt, jedoch so schnell wieder verschwinden könnte, wie er aufgetaucht ist.

Nick macht seine Erfahrungen im homosexuellen Milieu und lernt, sich in der Oberschicht zurechtzufinden. Man könnte ihn, ganz in der Tradition des realistischen Romans, als Aufsteiger bezeichnen, der sich neu erfinden muss, um Karriere zu machen. Doch auch hier ist das Ende des Karrieristen vorprogrammiert, denn als sich Gerald Fedden in einen Skandal verwickelt – seine Affäre mit seiner persönlichen Asistentin wird publik – muss das schwächste Glied in der Kette die Konsequenzen tragen, während sich Gerald, der zwar seine politische Karriere in den Wind schreiben muss, sich dank seiner einflussreichen Stellung in der Gesellschaft umgehend eine neue Rolle auf den Leib schneidern kann.

Alan Hollinghurst ist ein begnadeter Erzähler, der es stilistisch ohne Zweifel mit Autoren wie Ian McEwan aufnehmen kann. Als Autor homosexueller Literatur bisher nur am Rande wahrgenommen, hat der Booker Preis sicher – und zu Recht – zur Festigung seiner Rolle in der englischsprachigen Literatur beigetragen. Das Portrait der Achtziger ist ihm geglückt, der Zeitgeist ist gefangen, doch da sich Hollinghurst zu sehr auf seine Hauptfigur Nick bezieht, bleibt das übrige Personal leider zu schwach ausgearbeitet.


Alan Hollinghurst: "The Line of Beauty". – Picador, London: Oktober 2004 | 501 Seiten, 10,80 Euro, ISBN 0-330-43623-6 | Amazon.de

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