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House 2x24: No Reason


Jack Moriarty : You pretend to buck the system, pretend to be a rebel, claim to hate rules. [We see that House is sleeping] But all you do is substitute your own rules for society's. Now it's a nice, simple rule— tell the blunt, honest truth in the starkest, darkest way. And what will be, will be. And what will be, should be. And everyone else... is a coward. But you're wrong. It's not cowardly not to call someone an idiot. People aren't tactful, or polite just because it's nice. They do it... because they've got an ounce of humility. Because they know that they will make mistakes, and they know that their actions have consequences. And they know... that those consequences will be their fault. Why do you want so badly not to be human, House? [Cameron and Foreman enter and see House looking asleep.] Oh, he's awake.
Dr. Cameron: House, we need to talk to you.
Dr. House: How the hell did you know I was awake?
Jack Moriarty : Your nostrils flare when you sleep.
Dr. House: They do not.
Jack Moriarty : Fine, I'm lying.
Zwar waren die beiden bisherigen Highlights - Three Stories 1x21 und Autopsy 2x02 - schon verdammt nah dran, aber das Finale der 2. Staffel hat mich nun tatsächlich so berührt und staunen gemacht, wie sei Six Feet Under nichts mehr in der Serienlandschaft (weil ja Firefly nicht zählt). Hut ab, für dieses Drehbuch und das Regiedebüt vom House-Erfinder höchstpersönlich: David Shore.
Jack Moriarty: You think that the only truth that matters is that truth can be measured. Good intentions don't count. What's in your heart doesn't count. Caring doesn't count. But a man's life can be measured by how many tears are shed when he dies. Just because you can't measure them— just because you don't wanna measure them, doesn't mean it's not real.
Dr. House: [staring at board] That does not make sense...
Jack Moriarty: And even if I'm wrong, you're still miserable. Did you really think that your life's purpose was to sacrifice yourself and get nothing in return? No. You believe that there is no purpose. To anything. Even the lives you save you dismiss. You turn the one decent thing in your life and you taint it, strip it of all meaning. You're miserable for nothing. And I don't know why you'd wanna live.
Dr. House: [turns to Moriarty with a tear in his eye] I'm sorry.
P.S.: Dass der Gesprächspartner Moriarty heißt wird zwar nicht erwähnt, aber im Abspann klar gemacht. Und ich hab tatsächlich eineinhalb Staffeln gebraucht um die unzähligen Parallelen zwischen House und Holmes zu kapieren...

Staffellauf


Prison BreakPrison Break – Staffel 2
Tja, tja, schwieriger Fall. Die erste Staffel war mit einem klaren Konzept und einer perfekten Dramaturgie schon ein verdammt geiles Stück TV-Unterhaltung. Wenn die Voraussetzung für diesen Spaß (nämlich der Gefängnisausbruch) fehlt, droht das ganze in die endlose-letzte-Folge-Problematik abzudriften. Als Creator Paul Scheuring anfangs meinte »Season two is a complete re-invention.« war es nicht nur richtig, sondern vermutlich auch notwendig. Keiner hätte es sehen wollen, wie die Jungs wieder im Gefängnis landen. Aber es stellt sich dennoch die Frage, wohin die Serie noch will. Scheuring spricht von Staffel 1 + 2 als den ersten Teil einer Trilogie, und 6 Staffeln lang könnte das ein ziemlich unansehnliches Projekt werden. Dennoch auch mal kurz den positiven Aspekten dieser zweiten Staffel erwähnt: Mit Mahone (grandios: William Fichtner) ist ein wirklich großartiger Charakter eingeführt worden. Absoluter Sympathieträger. Übler Bursche. Große Klasse. Ein würdiger Abruzzi-Ersatz. In Wirklichkeit aber ist der einzige Grund, diese Serie weiter zu schauen, zu sehen, ob und wie Haywire Holland erreichen wird...

Nip/TuckNip/Tuck – Staffel 4
Bäh, bäh, bäh. Also wirklich. Nip/Tuck ist ja an sich so eine Frechheit und überhaupt, fragt mich nicht, warum ich mir dennoch jede Folge anschaue. Das ist ungefähr so aufregend wie Rammstein. Booha, polarisierend, ontheedge, taboo! Ich warte noch auf die von Außerirdischen vergewaltigten Elefanten und eventuell noch einen Präsidentenmord oder so, aber irgendwann geht sogar denen bestimmt die Luft aus. Staffel 4 dreht sich bisher hauptsächlich um den neuesten McNamara (und seine körperliche Behinderung) und das obligatorische Dauerfremdgehenundeheingefahrbringen. Aber der wirkliche Gipfel an Frechheit ist die Stalkerin, die sich Christian eingefangen hat: Eine gut aussehende Therapeutin (Brooke Shields...), die einen Namen (zuerst den vom vorherigen Besitzer, mittlerweile Christians) als Arschgeweih hat? Und DAS soll uns nicht bekannt vorkommen? Hallo?!

DexterDexter – Staffel 1
Wooha, das wird Klasse. Um gleich beim Six Feet Under-Konnex zu bleiben: Dexter ist die neue Serie mit Michael C. Hall. Er spielt einen Forensiker mit Spezialität auf Blut. Und ist selbst Massenmörder. Die Serie besticht durch einen recht spannenden Erzählstil; Dexters tagebuchartige Monologe fügen sich gut in die oft unkohärente Story ein und lassen genug Löcher für die Spannungserhaltung. Die Optik ist angenehm zurückhaltend, und die Schauspieler auch klasse: Julie Benz als schüchterne Girlfriend von Dexter und – vor allem – Jennifer Carpenter (of Emily Rose-Fame) als seine Schwester tragen die Serie deutlich mit. Es ist weit mehr als nur »David mal anders«. Mitentwickler ist übrigens der als L.I.E.- und Six Feet Under-Regisseur bekannte Michael Cuesta. Uns bleiben noch 6 Folgen bis Staffelfinale, wo vermutlich die Storyline um den Ice Truck-Killer genial aufgelöst wird, aber Showtime hat schon Staffel 2 in Auftrag gegeben. Yeeha.

Drawn TogetherDrawn Together – Staffel 3
Hm. Wo bleibt bitte Spanky? Wo bleibt das Feuer, der Witz, der absolute freche Gag, der die ersten beiden Staffeln ausgezeichnet hat? Ich mein... ja, klar ist das irgendwo noch waaaaaaaahnsnnig komisch.... aber es scheint auch etwas in seinem eigenen Humor (und der mit fortlaufender Dauer immer größeren Selbstreferentialität) unterzugehen. Eigentlich schade. Einzig hilfreiche Idee: Vielleicht ist es ein bewusster Kommentar, dass eine Reality Show mit so tolle Charakteren nicht länger als zwei Staffeln interessant sein kann. Vielleicht machen die das absichtlich, um ihre parodistische Parallele wirklich bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Das Problem wäre in dem Fall aber: Wenn die Leute das nicht checken, und weiter lächzen, warten noch 15 langweilige Drawn Together-Staffeln auf uns. Und das alles nur für den einen billigen Schmäh? Ach...ich vergaß... wir sind ja bei Drawn Together...

HouseHouse – Staffel 3
Äh, ich habe absolut KEINE Ahnung, was in Staffel 3 passiert. Ich habe nämlich gerade Staffel 1 fertig geschaut, und bin begeistert. Das ist wirklich eine verdammt gute Serie. Eine wirklich verdammt schöne Serie. Mit einem wirklich verdammt gutem Hauptdarsteller, der einen noch verdammter besseren Charakter spielt. Ich spiel im Kopf immer wieder eine »Six Feet Under Light«-Argumentation ab. Am Anfang passiert einer serienexternen Person was schlechtes (Dort: Tod. Hier: Fast-Tod). Danach kommt diese Person in Berührung mit unseren Helden, weil es ihr Beruf ist (Dort: Bestatter. Hier: Ärzte). Während der Behandlung ihres Anliegens (und der Anliegen der mehr oder weniger nahe stehenden Personen) entwickeln aber auch unsere Helden eine persönliche Beziehung zu dem Opfer, und die Opfer (und ihre Geschichte) reflektieren oft wichtige persönlich Entwicklungen, Charakterzüge, Mini-Revolutionen in unseren Helden, die die Serie vorantreiben. »Light« deswegen, weil nicht sooo emotional, und weil statt Tod eben nur Fast-Tod wütet. Auch wenn diese Parallele auf sehr wackeligen Beinen steht, macht es mich doch glücklich zu sehen, dass eine Krankenhaus-Serie mal großartige Charaktere aufstellt (allein ein unhöflicher, irre kluger Misanthrop mit Hinkebein als patientenverachtender Chefiagnostiker ist schon die halbe Miete) und mit guten Schauspielern (mit dabei unter anderem Robert Sean Leonard, der sich im Club der toten Dichter damals ja genau deshalb umgebracht hat, weil er nicht Arzt werden wollte... köstlich, köstlich...) eine kleine Welt aufzubauen versucht, die von Folge zu Folge spannender wird. Gerade auch am Ende von Staffel 1 (und vor allem bei der vorletzten, formelsprengenden »Three Stories«-Folge) macht das enorm neugierig. Und Spaß. Also... da ich jetzt erst mit Staffel 2 anfange... Kann mir wer sagen, ob das so gut weitergeht? Hält es das aus?

Mein erster »Frauenporno«


Thomas Groh machte gerade auf das 1st PORNfilmfestivalBERLIN 2006 aufmerksam, auf das er durch den Blog von Erika Lust gestoßen war. Erika Lust ist Chefin des Porn-Labels Lust Films, Bloggerin, hat in Politischer Wissenschaft »with a special degree in Feminism and Sexual Studies« promoviert und schon vor zwei Jahren den Film The Good Girl gedreht, den sie als »indie porn for women« bewirbt. Der gut zwanzig Minuten lange Film steht unter Creative Commons-Lizenz und kann kostenlos heruntergeladen werden – um Spenden wird gebeten.

Nachdem ich letztens erst Linda Williams’ Hardcore gelesen habe, in dem diese den Pornofilm historisch einordnet und so manche Argumente vermeintlicher Feministen und Feministinnen ad absurdum führt, war ich schon sehr drauf gespannt, den ersten »Frauenporno« zu sehen. Dass ich den Begriff in Anführungszeichen setze, deutet schon drauf hin, dass ich diese Genrezuschreibung nicht ganz unproblematisch finde. Bezieht sich »Frauenporno« auf die Herstellungsweise von Filmen (Porno von Regisseurinnen, von Drehbuchschreiberinnen, von Kamerafrauen) oder auf Porno für Frauen? Letzteres würde ja bedeuten, dass es bestimmte objektiv festlegbare Wertunterschiede zwischen dem gibt, was Frauen wollen und dem, was Männer wollen. Tatsächlich, so sagt Williams, sind diese Unterschiede empirisch feststellbar: Frauen wollten keine aneinandergereihten Fickszenen mit vorgetäuschter Story, keine Charaktere, die sich nur durch die Größe ihrer Schwänze bzw. Titten auszeichneten, keine Großaufnahmen von Cumshots und Vaginas. Frauen bevorzugten ausgereifte Skripte, attraktive Darsteller, realistischeren Sex. Wie sieht es damit bei The Good Girl aus?


Alex: Direkte Ansprache des Zuschauers

Man kann davon ausgehen, dass sich Erika Lust als Promovierte zum Thema Sexual Studies mit der Historie des Pornofilms auskennt. Offenbar lehnt sich The Good Girl ein Stück weit an die historischen Vorfahren des abendfüllenden Pornofilms an. Die ersten Filme, die diesem Genre zugeordnet werden können, waren Kurzfilme mit zumeist nur ein bis höchstens drei expliziten Szenen, die narrativ (so denn davon gesprochen werden kann) auf den Punkt (also die explizite Szene an sich) hin produziert worden sind. So auch The Good Girl. Und eine weitere Parallele tut sich auf, schaut man sich die Metatexte des Filmes, Vor- und Abspann, an. Die Regisserin wird genannt, zwei der insgesamt sechs Darsteller, der Titel wird eingeblendet und schließlich noch die Produktionsfirma. Auch in den frühen Sexfilmen waren die Metatexte, also Angaben zu Regisseuren, Kameraleuten, Drehbuchschreibern, kurzum der ganze Stab entweder nicht vorhanden oder anonymisiert. Geht man von der naheliegenden Annahme aus, dass es sich bei dem Namen Erika Lust nicht um einen tatsächlichen Namen handelt, bleiben auch hier die Personen, auf die es ankommt im Dunkeln. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass es sich dabei um Anonymisierungsstrategien wie im frühen Porno handelt – schließlich sucht Erika Lust und ihre Produktionsfirma die Öffentlichkeit. So kann davon ausgegangen werden, dass es sich tatsächlich um eine Bezugnahme oder Referenz auf diese frühen Pornostreifen handelt, deren Macher damals Schutz in der Anonymität suchten und deren wissenschaftliche Analyse nicht zuletzt dadurch heute enorm erschwert wird.


Der übergewichtige, asthmatische Pizzabote

Die Rahmenhandlung geht so: Die Geschäftsfrau Julie (file under: tough Businesswoman) ruft vom Büro aus ihre Freundin Alex an und erzählt ihr von der Eroberung ihres Yogalehrers. Julie ist eine ungebundene, offen mit ihrer Sexualität umgehende Frau. »She behaves like a man«, sagt Alex in direkter Ansprache des Zuschauers in die Kamera und stellt gleich klar, dass auch sie ganz ähnliche Phantasien habe. Sie bewundert Julies promiskuitive Lebensweise. Ironischerweise erzählt uns Alex – wieder direkt zur Kamera gewandt – von diesen Phantasien als Abbildern von Pornofilmen: »I thought on what they always do in the porno movies […] But in the real life the pizza guys are not exactly gorgeous handsome models«. Man erwartet es schon fast: Alex bestellt sich eine Pizza, springt unter die Dusche und, Überaschung!, der Pizzamann klingelt. Selbstverständlich ist dieser ein ausgesucht exquisites Exemplar von Pizzamann. In Rückblenden sieht man zuvor Julies bisherige Pizzaboten: Ein verkifft-versiffter Typ, ein asthmatischer Dicker nahe dem Exitus und ein Schwuler. Dieser ist also ganz anders. Und so überwindet sich Alex, wirft das Handtuch von sich und es folgt das, was folgen soll.




Spiel mit Klischees: Verführung des Pizzaboten

Der Sex wird kaum minder explizit gezeigt als in den üblichen Pornofilmen und dennoch gibt es Unterschiede. Da wäre zunächst die Art und Anzahl der Stellungen. Im Pornofilm haben sich gewisse Stellungen zum Standard gemausert, die das Eindringen des Penis möglichst genau abbilden sollen. So kommt es zu immer den gleichen Kameraeinstellungen, Blickwinkeln und Personenkonstellationen. The Good Girl scheut sich nicht davor, den Vorgang an sich explizit darzustellen, lässt aber eben auch viel Raum für Stellungen die zwar außergewöhnlich scheinen, dabei aber nicht in reines Gymnastikturnen ausarten. Darüber hinaus: Es wird sich wesentlich mehr Zeit gelassen. Man entdeckt sich gegenseitig, spricht und lacht gemeinsam. Auf akkustische Overdubs wie im Standardfilm, asynchrones Stöhnen, wird verzichtet. Wohl aber kommentiert Alex ihr Vorgehen, sie beschreibt seinen Schwanz, ihre Überraschung als er sie am Anus küsst usw. All das, was im üblichen Pornofilm zum visuellen Klischee geronnen ist, wird hier durch die Tonspur dekonstruiert – freilich ohne, dass dadurch die Atmosphäre der Szene zerstört würde. Dies geht so weit, dass Alex schließlich sogar sagt »I want you to come in my face like in the porno movies«.


Rekurs auf das Genre: »I want you to come in my face like in the porno movies«

Diese stete Selbstkommentierung und reflexive Genrebetrachtung durch den Film selbst ist äußerst beachtlich. Das Ganze rutscht dabei zu keiner Zeit in einen besserwisserischen Gestus á la »Alle Pornos sind frauenverachtend, hier ist das Gegenmittel« ab. Vor allem der Humor trägt dazu bei. Gerade das direkte Sprechen in die Kamera, zur Perfektion getrieben in den Scream-Filmen, sorgt für eine Leichtigkeit, die den Film zu tragen vermag. Aber auch der pointierte Einsatz von Musik hilft dabei; so sehen wir den übergewichtigen Pizzboten und es spielt eine tiefe Posaune, beim schwulen Pizzaboten ertönt Disco-Musik. Das sind alles keine neuen Strategien, der Mainstream hat sie längst aufgegriffen. Dennoch ist diese Herangehensweise zumindest für das Pornogenre eine fast schon revolutionäre Art, mit dem Genre an sich, mit seiner Geschichte und mit seinen Stereotypen umzugehen.

Die Insel


"Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts als meiner seligen Insel." (F. Hölderlin)

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Michael Bay will ne Geschichte erzählen. Was eindeutig was neues und unerwartetes seinerseits ist. Wir kennen ihn als Action-Prophet, Effekt-Ungetüm und Amerikanismen-Schleuder. "The Rock". "Armageddon". "Pearl Harbour". Und jetzt will er aufeinmal ne Geschichte erzählen.

Dazu holt er sich eine Schauspielerriege, die sogar Indie-Publikum durchaus staunen lässt: Ewan McGregor und Scarlett Johannson spielen die Hauptrollen in "Die Insel", diesem SciFi-Epos, und Steve Buscemi und Sean Bean glänzen in Nebenrollen. Die Story ist folgende: Im Jahr 2019 ist den reichen Menschen das Privileg gegönnt, sich ein Duplikat züchten zu lassen. Klone, die als Ersatzteillager für Organe dienen. Da bald festgestellt wurde, dass die amorphen Körper ohne menschliche Erfahrungen absterben, wurde schon bald dazu übergegangen, ihnen das Bewusstsein eines 15-jährigen zu geben - und sie unterirdisch in einem riesigen Reservat leben zu lassen, abgeschottet von der Außenwelt. Um sie unter Kontrolle zu halten, wird ihnen erzählt, die Welt wäre von einem unbekannten Virus kontaminiert worden, und sie sind die wenigen Überlebenden, die dort unten ihr Dasein fristen. Was sie beruhigt: Die aussicht in der Lotterie zu gewinnen, um auf die Insel zu kommen, das letzte unverseuchte Fleckchen utopisch schöner Erde. Was sie nicht wissen: Wer dafür ausgewählt wird, wird in Wirklichkeit nur an den OP-Tisch gebeten zur Organabgabe.

Lincoln-6-Echo ( McGregor) gehört aber zur Generation, die einen menschlichen Faktor zuviel mitbekommen hat: Neugier. Er hinterfragt das System, und als seine beste Freundin Jordan-2-Delta (Johannson) in der Lotterie gewinnt, fliehen sie. Bis dorthin erzählt also Bay eine Handlung, ohne eine ganze Stunde lang eine Action-Szene einzubauen. Was in der zweiten Hälfte natürlich kippt, immerhin werden sie von dem Unternehmen, das das Klonen betreibt, verfolgt. Und das eindrucksvoll, natürlich.

Die Elemente dieses Cocktails sind durchaus beachtlich, immerhin wird hier von 12 Monkeys, über Matrix bis hin zu I, Robot alles möglich herbeizitiert, und der Cocktail ist dabei nie abgestanden oder zu voll. So wird an einer Schlüsselszene, in dem sich Lincoln-6-Echo und sein "echter" Wiederpart in der realen Welt, ein steinreicher Tempo-Freak, gegenseitig vor den Waffen der Verfolger zuschieben, der Klon zu sein, eine Schlüsselszene aus Star Trek VI herbeigerufen. Und die Wahl für die Nummer "6" in Licolns Bezeichnung ist vielleicht auch nicht zufällig von der englischen Serie "The Prisoner"/"Nummer 6" inspiriert worden. Immerhin wird im Schlussfight zwischen Lincoln und dem Chef des Unternehmens, der ihn nur abfällig "6-Echo" nennt, vom Boden zurückgeschnauzt "Mein Name ist Lincoln." was wahlweise ersetzt werden könnte durch "Ich bin ein freier Mensch, und keine Nummer!" aus besagter Serie.

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Im wesentlichen geht es also darum, dass der Mensch seinen Gott töten muss, um frei zu sein. Dass der dunkelhäutige Chef der Verfolgungstruppe aufgrund seiner eigenen Brandmarkung als minderwertiges Wesen die Fronten wechselt ist nur ein weiterer Griff in diese Pathos-Schublade. Behämmert erschien die zweifach verwendete Pointe, dass man Frauen niemals Kreditkarten geben darf. Und kleine Ungereimtheiten in der Story (Warum war Lincolns Klon-Generation auf einmal fähig, neugierig zu sein? Warum ist in so einer technisierten Welt das Auffinden der Flüchtigen so schwer? Oder diese "Lincoln und sein echter Wiederpart vor dem Erschießungskommando"-Szene, die in sich etwas fragwürdig ist.) hinterlassen auch einen etwas schalen Nachgeschmack.

Aber alles in allem ist "Die Insel" ein gute Abendunterhaltung, die dem Anspruch, Anspruch mit Action zu verbinden, durchaus passabel gerecht wird. Viel Nachhaltigkeit ist natürlich nicht zu erwarten. Und dass es dem amerikanischen Kino-Gästen zuviel Story war, was den größten Sommer-Flop dieses Jahres herbeiführte, sei auch nur am Rande erwähnt.

Star Trek Filmologie


Weil im Urlaub auch oft Langeweile herrscht, hier Beschäftigung nicht schlecht ist, dachte ich mir, aufgrund des erneut ausgebrochenem Star Trek Sommerfiebers (die erste Enterprise-Episoden der Staffel 3 habens mir angetan), hier eine Gebrauchsanleitugn der zehn bisher erschienen ST-Filme. Fuer die, die sich nie rangetraut haben:

Star Trek - Der Film
Klassiker. Langatmiges Meisterwerk. Robert Wise (Sound of Music) inszeniert den ersten Roman Gene Roddenberrys, der quasi ST erfunden hat. Die Originalserie wurde quasi als Prequel zum Roman gedreht, und erst 79 wurde der Film zum Roman fertiggestellt. Die Story in kurz: Eine unbekannte Sonde nähert sich der Erde und "verschluckt" alles unterwegs. Die gerade reparierte Enterprise soll hinnein, und findet dort sehr, sehr, sehr alte Bekannte. Die Pointe und die stoische Ruhe des Films haben mich immer fasziniert. Pflicht.

Star Trek II - Der Zorn des Khans
Mindestens so gut wie Teil eins, aber völlig anders. Ein Action-Reisser. Khan, ein Übermensch der Erde des 20. Jahrhunderts (Gen-Technik), rächt sich an Kirk für die Aussetzung auf einem Wüstenplaneten (siehe Originalserie). Die Rache ist ein blutiger, beinharter Kampf, der dramatisch und mit tollen Effekten inszeniert sogar den Tod des allseits geliebten Spock als Auflösung braucht. Nie war ST vorher so spannend. Und Kirks zornerfüllter "Khaaaaan!"-Schrei ist Legende.


Star Trek III - Auf der Suche nach Mr. Spock
Teil drei ist Mist. Klar, einfach so Spock sterben zu lassen geht nicht. Aber man hätte sich schon mehr Mühe mit der Storyline geben können. Einzig sehenswert: Christopher Lloyd (Mr. Back To Future) als böser Klingonen-Schurke, und die Vernichtung der altgeliebten Enterprise (durch letzeren).





Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart
Vierfach Oscar-nominiert (Teil I nur 3-fach) wurde dieser Film zu einem der Alltimefavs der Trekkosphere. Auf dem aus Teil III gekaperten rostigen Klingonkreuzer muss die Crew zurück ins Jahr 1986 um abermals eine die Erde bedrohende Sonde aufzuhalten. Was sie dort suchen: Die in der Zukunft ausgestorbenen Buckelwale. Und der Clash mir der harten L.A.-Realität der 80er ist wahrlich sympathsich und gut rübergebracht worden. ST goes Comedy klappt also im ersten Anlauf.


Star Trek V - Am Rande des Universums
Vergiss es. Absoluter Gottsuche-Mist. Ich mein... "Wozu braucht Gott ein Raumschiff?" als Infragsetllung seiner Existenz hat vielleicht Charme - aber der Film ansonsten nichts dergleichen.







Star Trek VI - Das unentdeckte Land
Wahnsinn. Würde hart mitkämpfen um den Meistertitel. Ein brillanter Polit-Thriller im Weltraum, bei dem die Crew dank ihres doch schon fortgeschrittenen Alters auch wirklich gute, reife Leistung erbringen. Tolle Dialoge, packende Story, grandioser Christopher Plummer als Bösewicht. Für mich, der beste mit der Kirk-Crew.




Star Trek VII - Treffen der Generationen
Gelungener Übergang zwischen der Kirk- und Picard-Generation. Diesmal ist die Bedrohung nicht so gross, eine unbekannte Zivilisation auf einem unbekannten Planeten, die im Film nie gezeigt wird. Was für ST doch Seltenheitscharakter hat. Stewart und Shatner sind ein tolles Duo, und die Vernichtung der Enterprise-D sieht einfach toll aus (was nicht heissen soll, ich hab was gegen das Schiff ;). Also durchaus sehenswert, auch wenn die Regie-Leistung David Carsons etwas schwach ausfällt.

Star Trek VIII - Der erste Kontakt
Der Blockbuster. Die Borg. Der Anbeginn der ST-Zukunft, da per Zeitreise die Erfindung des Warp-Antriebs gezeigt wird. Wahnsinns-Effekte, gute Moral (Helden sind nur geldgierige Alkoholiker) und eine betrunke Troi machen ihn zu einem ST-Highlight. Den Borg als einer der spannendsten ST-Ideen einen ganzen Film zu widmen, war ne tolle Idee. Umsetzung Klasse, Jonathan "Riker" Frakes führte Regie, und ne Oscar-Nominierung für die grandiosen Borg-MakeUps gabs auch.

Star Trek IX - Der Aufstand
Ein Juwel am ST-Himmel. Der Kampf ums Paradies (ein Jungbrunnen-Planet) wird in gewohnter Gutmenschen-Manier von Picard und Co. geführt. was aber den Film auszeichnet ist seine Buntheit, seine warme Ausstrahlung, sein Humor. Data als Wahnsinniger, Worf in der Pubertät, Picard als Mambo-Tänzer, Joysticks als Enterprise-Steuereinheit. Die versteckten kleinen Pointen machen ihn zum definitiv sympathischsten Film. Frakes' Regie passt wieder, und die Schauspieler profilieren in ihren neuen Rollen. Mehr als Pflicht.

Star Trek X - Nemesis
War Teil IX das bunteste an ST, so ist Teil X die Düsterheit eines bodenlosen Loches. Was gut tut, und später in der Serie "Enterprise" ja stark Niederschlag fand. Die Story hinkt zwar etwas (Picard stellt sich dem neuen remanischen, nein, romulanischen Herrscher, der in Wahrheit ein Klon von ihm ist, seine eigene Nemesis), der Film ist aber trotzdem nicht schlecht. Das Ende von Teil II (eine wichtige Person opfert sich, um das Schiff zu retten) wird wiederverwendet, und die Enterprise selbst darf sogar mal rammen. Regie von Stuart Baird war vielleicht ein Fehlgriff.

Nicht alles ist also gut, aber manches dürfte so manchen Filmabend doch ermöglichen.

Aktionsfilme


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Wieviel geschlafen wird in so Action-Filmen ist eigentlich erstaunlich. Die an sich und in ihrem Wesen unerschöpfliche und unerschöpflich wertvolle Filiale der Monochrom-Menschen bietet eine Zusammenstellung der James Bond'schen Action-Auffassung.

Big City Nights


»Collateral« (USA 2004, Michael Mann)
DVD

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Nochmals Collateral gesehen. Zum vierten oder fünften Mal. Diese Ausgeburt an Perfektion.

Um meine Faszination zu erklären muss man ein wenig zurückgehen in der Werkbiographie Michael Manns. »Heat« hieß der Film der mich zum Mann-Jünger machte. Da stimmte einfach alles. Neben den grandiosen Schauspielern, nein, Darstellern, die bis in die winzigste Nebenrolle hinein optimal gecastet wurden, war der Film vor allem ein ganz großes Hollywood-Erlebnis. Da schien jemand mit dem Anspruch an einen Film heranzugehen, er möge etwas Großes werden. Groß in der Gunst der Zuschauer wie in der der Kritik gleichermaßen. Groß auch in seinen Settings – die Millionenstadt als Filmset – und groß in seinem Glanz. Nun, dieser Anspruch ist nichts besonderes. Besonders wurde der Film dadurch, dass ihm all das Genannte scheinbar ohne Krampf gelang und er dabei gleichzeitig so wenig selbstverliebt wirkte. Obschon in seiner überbordenden Stilistik ganz Genrefilm, verlor sich die Story nicht in der Ästhetik. Beides stützte sich gegenseitig.

Es folgten zwei weitere großartige Filme, »The Insider« und »Ali«, die allerdings, ich kann mir das bis heute nicht erklären, an der Kasse eher floppten. Auch sie waren voll Emphatie für ihre Figuren, auch sie versöhnten althergebrachte Narrationsmuster mit der melancholischen Inszenierung Manns, an der man jeden seiner Filme innerhalb der ersten Szenen erkennt. Es hat nicht sollen sein. Aber bereits hier merkte man, das Mann vor allem eines macht: Genreinterpretationen und Grenzerweiterung. »The Insider« war mehr als nur ein Thriller. »Ali« wehrte sich gegen das reaktionäre Biopic-Genre, indem er darauf verzichtete, pseudo-stringente Lebensgeschichtserzählung zu betreiben. »Heat« und »Collateral« erweiterten durch ihre komplexe Figurenzeichnung das Thriller-Genre in Richtung des Dramas.

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Was »Collateral« für mich so besonders macht ist aber der absolute Willen zur Perfektion sowohl in schauspielerischer Hinsicht wie auch auf Seite der Regie. Keine Szene wirkt zu lang, keine zu kurz, die Längen der Einstellungen sind – obschon Mann sie wild durcheinanderwürfelt – stets passend. Selbst die anfängliche Fahrt durch die beginnende Nacht, bei der Max Annie kennenlernt und die aufgrund ihrer Länge klassischen Narrationsweisen entgegenläuft, ist eben genau dies: perfekt. Alleine die Mimik und die minimalen Bewegungen Jada Pinkett Smiths wäre eine Eloge auf die Fähigkeiten dieser Frau wert. Und auch Jamie Foxx ist sofort da, wo seine Figur hin soll. Mann scheint ein Händchen bei der Auswahl seiner Schauspieler zu haben. Bei »Ali« überrachte schon Nervtröte und Wannabe-Gangsta Will Smith als durchaus des Schauspiels mächtiger Protagonist. Und Tom Cruise ist wahrscheinlich der letzte, den man in der Rolle eines Profikillers ohne Gewissensbisse erwarten würde. Tatsächlich muss er hier nicht mal den Vergleich mit Alain Delons eiskaltem Killer Jeff Costello in Melvilles »Le Samouraï« scheuen, vermutlich die Blaupause für Figuren dieser Art.

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Und dann ist da diese fast unbeschreiblich erleuchtete Nacht. Hier wird es nicht dunkel. Die Stadt, dieser lebende Organismus, schläft nicht. Er zuckt und strömt und mit ihm die Figuren, die neben dem Gefängnis ihres Selbst jetzt auch in dieser Nacht gefangen sind. Und wenn Vincent zu Beginn des Films betont, wie sehr er diese Stadt nicht mag, dann kann man bereits erahnen, dass sie auch ihn nicht mehr loslassen wird. Die Wölfe, denen Max und Vincent begegnen, und die den Film an einer seiner beeindruckendsten Szenen stehen lassen – Luft holen, sich besinnen –, diese Wölfe finden nicht nur ihre Entsprechung in der lonesome wolf-Existenz der beiden Gestrandeten und damit im uramerikanischen Mythos des einsamen Helden. Zugleich zeigen sie uns die Stadt als Zwinger, als Gehege, in dem Mensch und Tier sich näher sind, als man erhoffte.

Und da ich nie, wirklich nie, so ganz zufrieden bin, sei noch angemerkt, dass die Musik das störende Element des Films war. Allzuoft bricht sie die flüssige Erzählung auf, indem sie kurz für zehn Sekunden eingeblendet wird und unmittelbar darauf ein völlig anderes Stück aus den Lautsprechern dröhnt. Aber das wären nur kosmetische Korrekturen oberflächlicher Natur, die in einer TV-Movie-Kritik nicht einmal einen Viertel Punkt ausmachten und die mir vielleicht auch nur deswegen auffielen, weil ich nie, wirklich nie … wie gesagt.

Info: IMDB | Offizielle Filmhomepage

Kunst, Propaganda und die Lust am Geometrischen


»Triumph des Willens« (D 1934/35, Leni Riefenstahl)
Uni

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Anlässlich der ersten Sitzung des Kolloquiums »Das Gute und das Schöne« wurde Riefenstahls Propaganda-»Klassiker« »Triumph des Willens« gezeigt. Ziel der daraufhin folgenden Diskussion war eine kritische Überprüfung der eigenen moralischen und ästhetischen Maßstäbe: Was ist Kunst? Was ist Propaganda? Kann Propaganda Kunst sein?

Es schälten sich vorrangig zwei Argumentationslinien heraus. Die erste, moralisch argumentierende, die schon die Trennung von ästhetischem Anspruch bzw. künstlerischer Umsetzung auf der einen und Propaganda-Zweck auf der anderen Seite für verwerflich hält; die zweite, die (meines Erachtens nach distanzierter) diese zwei Intentionen entweder grundsätzlich gelöst vom auteur sehen wollte (meine Position) oder aber zumindest eine Trennung aus Bewertungsgründen für unabdingbar hält.

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Die moralisch argumentierende Gruppe störte sich natürlich vor allem an der (zumindest auch projezierten) Intention des Films. Riefenstahl selber verteidigte ihre Propagandafilme stets als rein ästhetische Projekte, die dem NS-Regime zwar gelegen kamen (TdW war eine Auftragsarbeit, der Titel stammt von Hitler persönlich), dabei aber bloß »schön« sein sollten. Bereits hier ergeben sich erste Widersprüchlichkeiten: Die von Riefenstahl umgesetzte Ästhetik bedient meines Erachtens nach bereits ein nazistisches Verständnis von Schönheit. Die filmischen Topoi des – auch schönen, aber vor allem – starken Mannes, des gefolgsamen Mädels, der Masse (die hier nur in zwei Formen vorkommt: der wehrbereite Soldat und Arbeiter und die jubelnden Frauen und Kinder), die Konzentration auf den Übervater Hitler, die Natur als vollkommene Schönheit, schließlich die Ordnung, diese obszöne Geometrie, durch Riefenstahls Montage und Kadrierung ins fast schon Übermenschliche betont und gesteigert. Selbst wenn also Riefenstahls Intention eine rein ästhetische war – und die nachfolgenden Filme wären ein Indiz dafür –, war ihre Vorstellung der ultimativen Ästhetik eine vom Faschismus geprägte.

Wie bereits gesagt, war meine Sichtweise eine andere. Ich möchte den Fokus von der Frage »Was will uns der Autor damit sagen?«, also der ausschließlich hermeneutischen Ursachen- und Intentionsforschung, auf die rezeptive Wirkung lenken. Eine solch filmsoziologische Annäherung würde u.a. zu Vergleichen zwingen; gerade hier böte sich eine vergleichende Betrachtung von Riefenstahls Propaganda mit der Eisensteins (und dort im besonderen: »Panzerkreuzer Potemkin«) an. Genauer gesagt: sie drängte sich auf. Denn die Parallelen in der Montage, der Kameraführung, ja sogar der gesamten Mise-en-Scène bis hin zur Darstellung des Menschen an sich sind unübersehbar.

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Eine solche Betrachtung würde aber, dessen bin ich mir durchaus bewusst, schnell zu Problemen und Mißverständnissen führen. Denn wo genau verlaufen die Demarkationslinien zwischen Kunst, Politik und deren Betrachtung, zwischen vermeintlich »reiner« Ästhetik, ideologischer Propaganda und reflexivem Lesen? Kann man diese Bereiche trennen um dann in einer kulminativen Betrachtung zweier entgegengesetzt politischer Werke allein die ästhetische Reichweite zu betrachten? Und: Wo bleibe dann ich, der eine bestimmte Position einnimmt, die – bewußt oder unbewußt – immer auch das Politische mitdenkt, der also, seien wir ehrlich, nicht im luftleeren Raum über ein Kunstwerk nachdenkt? Soviel steht fest: Das Gebiet ist ein vermintes.

* * *

Ein Kolloquium, das diese Fragen aufwirft, kann kein so schlechtes sein. Vielleicht werden sich einige Fragezeichen im Verlaufe der nächsten Monate in Ausrufezeichen, zumindest aber in Ellipsen verwandeln. Der Seminarplan stellt noch so einige Schmankerl in Aussicht. Über Kants »Kritik der Urteilskraft« und Schillers Kallias-Briefen bis hin zu Adorno, Benn, Warhol und schließlich Woody Allens »Crimes and Misdemeanors« wird referiert werden. Ich selber bereite ein Referat zu Benjamins Kunstwerk -Aufsatz vor. Schau’n mer mal…

Info: Filmportal.de | Goethe-Institut Helsinki | IMDB

Short Cuts



Was sich so angestaut hat. Einige Filme, die ich zum ersten Mal oder doch zumindest auf völlig neue Art gesehen habe, in aller Kürze:


»Der Krieger und die Kaiserin« (D 2000, Tom Tykwer)

Prägnantes Beispiel für die Verwechslung von »langsamer Film« und »langweiliger Film«. Filme, die so penetrant und manieristisch »KUNST!« zu sein behaupten, sind mir immer schon suspekt gewesen. Ich bin leidensfähig: Ich habe so manchen Film durchgestanden. (Hey, »Letztes Jahr in Marienbad« war eine Qual sondergleichen aber ich habe es geschafft!) Diesen habe ich nach einer dreiviertel Stunde aufgegeben. | IMDB

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»Une liaison pornographique« (FR 1999, Frédéric Fonteyne)

Sehr schön. Ganz und gar unaufgeregt. Das Thema von »Intimacy« in weniger explizit aber nicht unbedingt weniger intensiv. | IMDB

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»Fast Food, Fast Women« (USA/FR/IT 2000, Amos Kollek)

»Fast Food, Fast Women« schlängelte sich so durch und knapp eine Woche nachdem ich diesen Film gesehen habe, ist bloß noch diese seltsame Erscheinung Anna Thomsons (aka Anna Levine) in schauriger Erinnerung. | IMDB

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»Top Job. Diamantenraub in Rio« (IT 1967, Giuliano Montaldo)

Sehr schönes Heist-Movie. Für das Genre ein Meilenstein. Hat den neueren Heist-Movies wie »The Italian Job« oder gar »The Score« vor allem eines voraus: sanfte, unterschwellige Melancholie. Die war vielleicht noch in »The Good Thief« zu bemerken, aber bei dem fehlte mir halt die Patina. | IMDB

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»Dial M for Murder« (USA 1954, Alfred Hitchcock)

Mit und mit versuche ich alle mir erreichbaren Hitchcocks anzuschauen. Diesen hier habe ich bereits als Kind gesehen und ihn eher als langweilig in Erinnerung gehabt. Was ein Blödsinn. Wohow! Ganz ganz großes Theater-Kino. Und der Kommissar muss die Blaupause für Columbo gewesen sein. In seiner Reduziertheit ein toller Film. Weiß jemand, was es mit den Lampen auf sich hat? | IMDB

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»Das Interview« (NL 2003, Theo van Gogh)

Und noch ein Kammerspiel. »Das Interview« wurde in den letzten Wochen gleich drei mal auf Arte ausgestrahlt. Genügend Zeit also, um nachzusprüfen, was man bereits vermutete: dass dieser Film so schmucklos ist, so ohne jegliches Interesse an Kamera und Schnitt gemacht scheint. Ein reiner Schauspieler-Film also. Aber das reicht hier vollkommen. Allein die Darstellung der zwei Protagonisten: groß! Ein durchdringender und überaus intensiver Film. | IMDB

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»Nothing« (CAN 2003, Vincenzo Natali)

Im Kino gewesen. Zweimal gelacht. | IMDB


Das System Woody oder Die lustige Schwere des Seins


»Anything Else« (USA 2003, Woody Allen)
Kino

Die Freundin eine anorektische Zicke, der Manager ein parasitärer Möchtegern, der Psychoanalytiker schlicht ein desinteressiertes Arschloch. Jerry Falk (Jason Biggs) hat’s nicht leicht. Der Autor, der gerne einen existenzialistischen, an Camus und Nietzsche geschulten Roman schreiben würde, es aber doch nur zum eher mäßigen Gagschreiber bringt, ist geschlagen mit einem Leben, dass man so wohl keinem an den Hals wünscht.

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Jerry ist einer der Typen, die Frauen nicht verlassen sondern die von ihnen verlassen werden, einer der so lange wartet, bis sie Schluß macht, einer der an Traditionen festhält und für den das Neue erstmal mit Vorsicht zu genießen ist und der deswegen gar nicht erst auf die Idee käme, einer Frau den Laufpaß zu geben. So erträgt er die Eskapaden seiner Freundin Amanda (Christina Ricci), die »ihm zu Liebe« andere Männer fickt wie nichts Gutes und das ernsthaft damit begründet, sie wolle herausfinden, ob sie nur auf ihn keine Lust mehr habe oder ob es sich um ein generelles Problem handele. Wenn sie dann schließlich tatsächlich mit ihm Schluß macht und ihm gleichzeitig vorschlägt noch ein letztes Mal miteinander zu schlafen – »Wer weiß, vielleicht wird dann eine Affäre draus« – dann wird endgültig klar, wessen Geistes Kind sie ist.

Jerry ist also, so würde die heutige Lebensberatungsundbessermach-literatur behaupten, »entscheidungsschwach«. Anders ist nicht zu erklären, dass er seit Jahr und Tag denselben Manager (Danny DeVito) hat, der nur darin Talent zu haben scheint, Jerry das Geld aus der Tasche zu ziehen. Da Lebensberatungsundbessermachliteratur im Film tunlichst personalisiert werden sollte, trifft Jerry bald auf David Dobel (Woody Allen), Lehrer und ebenfalls Gagschreiber, hauptberuflich aber nichtgläubiger Jude.
»Sie brachten einen Spruch über meine Religion, den ich für sehr geschmacklos hielt.« – »Was? Religion? Du bist doch Atheist!« – »Ja, ich bin Atheist aber ich war auch ganz schön verärgert, dass sie versteckt kurz durchblicken liessen, dass Auschwitz wohl nichts weiter gewesen sei als ein Themenpark.«
Ironie oder böser Kommentar zu seiner Figur, dass Dobel in einem knallroten – ausgerechnet deutschem – Cabrio durch die Straßen fährt? Dobel wird zu Jerrys Mentor und väterlichem Freund zugleich. Er wird es schließlich sein, der Jerry dazu motiviert (jepp!), mit alten Traditionen zu brechen, aus der Stadt weg und der Freundin eine lange Nase zu ziehen.

Zwischen den Punkten Tradition und dem Bruch mit ihr liegt ein Film, der (auf allen’sche, also: charmante Art und Weise) traditioneller nicht sein könnte. Allen erzählt nochmal die Story des symphatischen Losers, der ganz autistisch so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, dass sich alles seiner Weltsicht unterzuordnen hat.

Allen tut gut dran, seine angestammte Rolle des Neurotikers Biggs zu überlassen. So kann er einen Part übernehmen, der überrascht: Endlich einmal ist die Beziehung der Figur Woody Allen und ihrer filmischen Verkörperung des Neurotikers gebrochen. Denn so gut man es der Filmfigur Dobel abnimmt, ein Waffennarr zu sein, der hinter jeder Ecke die antisemitische Weltverschwörung wittert und der sich deswegen mit einem Wust an Überlebensstrategien und -praktiken ausstaffiert, so schlecht kann man sich den Schauspieler Allen mit einer geladenen Waffe vorstellen. Absurd, geht gar nicht.

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Und während in »Manhattan« noch über den Nutzen eines Selbstmords nachgedacht wurde, ist hier schon klar: »Selbstmord ist keine Lösung für mich. Ich habe so viele Probleme, ein einziger Selbstmord kann sie unmöglich alle lösen«.

Auch dieser Allen-Film ist mehr Buch als Film. Neben den natürlich grandiosen Dialogen scheinen allein die Bilder des Kameramanns Darius Khondji den Film vor dem stets drohenden Absturz in’s Langweilige zu schützen. Bei Allen-Filmen reicht das. Und wahrscheinlich würden seine Filme auch mit statischer Kamera wirken. Biggs macht seine Sache, wie im Übrigen alle Darsteller, wahrlich nicht schlecht. Aber wenn der Abspann läuft, man langsam von seinem Kinsosessel in die Wirklichkeit zurückgleitet und das Gesehene Revue passieren lässt, dann sind es Allens Sentenzen und seine fahrigen Bewegungen, die sich im Gedächtnis festsetzen. Mich stört das kein bißchen.

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