Mittwoch, 1. Dezember 2004

Secret Machines - "Now Here Is Nowhere"


secret machines - now here is nowhere„Ausufernder Prog-Rock“ und krautig anmutend wurde das Album der Secret Machines genannt. Die Referenzhölle war im Ausland, noch schlimmer, da war die Rede von den „heutigen Pink Floyds“ obwohl sich publikumstechnisch immer mehr bei Neu! oder Can fand. Die Secret Machines covern live ja gar Harmonia und New York, wo die wieder aufstrebenden experimentierfreudigen Psych-Schulen langsam die Strokes von den Straßen fegen, feiert sie als derzeit beste Liveband. Klingt präpotent. Klingt bekannt.

Und wie Wunder passiert ähnliches beim Hören ihres nun zweiten Albums „Now Here Is Nowhere“ auch. Es klingt bekannt, vertraut, langweilig, Retro, NoFuture und NoWave jenseits der neuen. „First Wave Impact“ heißt dann auch der Opener, ein neunminütiges Epos, dass am Ende beweist, wie „ausufernd“ klingen kann. Jedoch bleibt es in der Hinsicht eine Ausnahme auf dem Album. Denn „ausufernd“ wird es dankenswerterweise sonst selten, es behält eine erstaunlich ruhig, fast schon sachliche Größe bei, die vom Sound her immer noch bombastisch klingen kann (wie in „You are chains“ oder dem Killer „Sad and lonely“) aber dann doch auch unüberlastet ist vom Songwriting her. Manche sagen dazu „ideenlos“. Die Single „Nowhere Again“ z.B. lebt weniger von der minimalistischen Gitarre, die durchaus auch an neu gedachtes Popverständnis a la Yeah Yeah Yeahs oder Broken Social Scene erinnern darf, aber dafür mehr von einem enorm treibenden Drumset, dass am Ende völlig unvermutet frech in einem Stakkato den Song enden lässt, das der oder dem ZuhörerIn vorgeführt wird, wie konventionell langweilig eigentlich das Musikverständnis sein muss, das die Konstellation für „unüblich“ hält. Es geht eine eindrucksvoll ruhige Altklugheit von diesen so jungen Leuten aus.

Betont werden sollte aber, dass das Album die ansonsten gewohnte Präpotenz von so jungen NYC-Recken, die versuchen Altbekanntes neu aufzubrühen, nicht zeigt. Sie haben im Vorbeigehen quasi ein Stück Musik geschaffen, dass den endlosen Referenzsystemen ein müdes Lächeln schenkt und sich bedient wo es will und wie es will. Respektlos mag es somit alle mal sein. Aber eben auch eine der erfrischendsten Herausforderungen des zweiten Halbjahres.

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