Mittwoch, 1. Dezember 2004

Von Spar - "Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative"


von spar - freiheit Da kam dieses Album so unvermutet - also doch vermutet, immerhin waren ja die anderen Bands der Mitgleider von Von Spar (The Oliver Twist, Urlaub in Polen) ja bekannt, und auch die "Schockwellen auf's Parkett" EP warf ja schon Schatten voraus. Aber was da nun als Album daherkam, übertraf nochmal alle Erwartungen. "Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative" vereint 10 Pop-Songs der allerersten Güte, die sich nicht scheuen, überall zu klauen und sich quer durch die Pop-Geschichte bei allem, was tanzbar ist, zu bedienen. Punk bis House, und 10 Songs in 36 Minuten, es ist knapp, es ist nicht mehr notwendig, um alles zu sagen, was gesagt werden muss - was auch bei einem Konzert der Truppe unfassbar unter beweis gestellt wird. Es ist schnell, es peitscht, es treibt, ja, einen druckvollen Beat, die Gitarren kreischen nervend um eine noch nervigere Stimme, die Synthies versetzen uns back to where the wild roses explode.

Und dann sind da noch die Lyrics, die es schaffen unfassbare Welten zu offenbaren, in denen politische Fragen nicht an letzter Stelle stehen. Von Spar halten das Maul gewiss nicht, es geht darum "über den Tellerand hinaus" zu gehen, hinterfragt wird die Konsumgesellschaft und das Stillsein oder das Verklumpen der Kritik. Es geht um "mehr Dynamit", um "noch mehr Plastik" und um "Bunsenwahrheiten" wie etwa "Geschichte wird gemacht" (gastgesungen vom Präger dieser Zeilen, Peter Hein). Auch Frank Spilker, Sänger der gerade heuer ins Parolenpolitische getappten Sterne, singt im vielleicht zwingendsten Song "Ist das noch populär" den Refrain, und merkt dort an, "komisch wie schnell sich die Dinge verändern."

Ja, wenn es Parolen gibt, dann fangen sie Von Spar in einer art und weise ein, die mich seit langem wieder von politischer Seite her fasziniert. Nicht wie Die Sterne oder Wir sind Helden, wo es um Kids locken geht. Nein, Von Spar singen "ich nerve, ich nerve, ich nerve, und du bis nicht allein" und mir kommen fast die Tränen, nicht weil es so simpel, sondern weil es so auffordernd ist. Nicht das Maul halten, die guten Ideen müssen raus, Schritt für Schritt, über den Tellerand hinaus. Nicht stehen bleiben. „Ja, heute lock' ich dich; noch einmal brüllen im Klartext: Moralisch!“

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